LAND & FORST LOGO :: Natur Nützen. Natur Schützen.
LAND & FORST LOGO :: Natur Nützen. Natur Schützen.
 HAUPT-MENÜ
 

Alle Presseaussendungen

2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | 2000 | 1999

Wien, am 10.02.2003

Legislativ–Vorschläge müssen Kosten der Betriebe berücksichtigen

Legislativ–Vorschläge müssen Kosten der Betriebe berücksichtigen
Geplante Maßnahmen behindern Klimaschutz

Die Reformvorschläge der EU–Kommission stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Wintertagung des Ökosozialen Forum Österreich. Für den Hauptverband der Land– und Forstwirtschaftsbetriebe wird in den geplanten Maßnahmen die Bedeutung größerer Betriebe zu wenig berücksichtigt. Gerade sie sichern Arbeitsplätze im ländlichen Raum und versorgen einen Großteil des Marktes mit Lebensmitteln. Zudem werden die Leistungen der heimischen Landwirte im Bereich des Klimaschutzes in Zukunft erschwert.

Die Marktprognosen der europäischen Kommission zeigen, dass die Landwirte künftig einem noch härteren Wettbewerb ausgesetzt sein werden. Daher sind die Senkung von Preisstützen wie dem Interventionspreis sowie eine Abschaffung monatlicher Zuschläge nicht gerechtfertigt. "Besonders kritisch sehen wir die Herabsetzung des Interventionspreises um fünf Prozent", sagt Felix Montecuccoli, Vizepräsident des Hauptverbandes der Land– und Forstwirtschaftsbetriebe, anlässlich der 50. Wintertagung des Ökosozialen Forum in Wien. "Diese Preissenkung kommt dem Konsumenten nicht zugute, erleichtert jedoch Importe aus Drittländern und könnte vor allem in den grenznahen Regionen zu einer Störung des Marktes führen." Unverständlich ist auch die Einführung einer Obergrenze von 1,4 Millionen Hektar bei Eiweißplanzen für Tierfutter. Denn Europa ist in diesem Bereich unterversorgt.

Flexible Produktion kaum umsetzbar
Die Entkoppelung der Direktbeihilfen ist nach wie vor kritisch zu sehen. Die von der Kommission vorgeschlagenen betriebsbezogenen Einkommenszahlungen für die Produktion sind real betrachtet Einheitsprämien. Für den Bürger und Konsumenten wären solche Beihilfen nicht nachvollziehbar.

Das Angebot der Kommission an die Betriebe, ihre Produktion flexibel zu gestalten, wird hierzulande kaum umsetzbar sein. So hat im Gegensatz zu Österreich ein beträchtlicher Teil der europäischen Landwirtschaften durch eine optimale Wasserversorgung und nährstoffreiche Böden wesentlich bessere Anbaubedingungen. Diese Betriebe haben eher die Möglichkeit, von der Getreideproduktion in andere Produktionssparten wie etwa Gemüse umzusteigen. Hingegen ist in ungünstigen Lagen wie etwa dem Weinviertel oder Burgenland, ein Umstieg aufgrund schlechter natürlicher Voraussetzungen praktisch unmöglich. Bei den Landwirten selbst führt die Entkoppelung zu einer Identitätskrise. Denn sie sehen sich in erster Linie als Produzenten von Lebensmitteln. Der Kostenausgleich für ihre vielfältigen Leistungen darf nicht in einer Einkommensbeihilfe für Bedürftige enden.
Betriebswirtschaftliche Kriterien einbinden
"Wir begrüßen die Abkehr von der Obergrenze, denn diese war ein grundsätzlich falsches politisches Instrument", so Montecuccoli. "Jedoch sehen wir die Abstufung in der Modulierung in keiner Weise als gerechtfertigt." In der vorgeschlagenen Betriebsgrößendegression fehlt ein wichtiges Element: so wird die betriebswirtschaftliche Realität zu wenig berücksichtigt. Wünschenswert wäre die Einbeziehung von betriebswirtschaftlichen Kriterien wie etwa unterschiedliche Niveaus der Produktionsstandards, Besitzstruktur, Arbeitsplätze und die Ertragskraft landwirtschaftlicher Standorte. Gerade größere Betriebe leisten einen wichtigen Beitrag in der Sicherung von Arbeitsplätzen und steigern die Wertschöpfung im ländlichen Raum.

Die "Cross Compliance" soll die Ausgleichszahlungen an die Einhaltung von Mindestkriterien in Bezug auf Umwelt, Tierschutz, Nahrungsmittel und Arbeitsplatzsicherheit binden. Die geplanten Mindeststandards laufen aufgrund unterschiedlicher Niveaus in den Mitgliedsstaaten Gefahr, Wettbewerbsverzerrungen hervorzurufen. Heimische Landwirtschaften werden dadurch weniger konkurrenzfähig. Die Vorleistungen Österreichs durch das flächendeckende Umweltprogramm ÖPUL müssen noch einkalkuliert werden, denn die Betriebe sichern damit eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung.

Klimaschutz wird behindert
Unverständlich ist, dass in Zukunft auf Stilllegungsflächen die Produktion nachwachsender Rohstoffe oder Energie verhindert wird. Dies ist vor allem mit Rücksicht auf den Klimaschutz der falsche Weg. Betriebe, die bisher nicht nach der maximalen Ausnutzung des Förderrahmens gewirtschaftet haben, unterliegen einer massiven Benachteiligung. Wiederum bleiben die Leistungen der Landwirte durch ÖPUL–Maßnahmen unberücksichtigt. Für bestehende freiwillige äkologische Stilllegungen muss daher ein Ausgleich geschaffen werden.

Die vorgeschlagenen Richtlinien im Programm der ländlichen Entwicklung sind grundsätzlich positiv. Jedoch benachteiligt die Obergrenze von Förderungen zur Verbesserung der Lebensmittelqualität und der Produktionsstandards größere Betriebe stark. "Dies trifft jene Betriebe, die auch in der Modulierung benachteiligt sind", so Montecuccoli. "Durch Kürzungen in diesen Bereichen werden wertvolle Arbeitsplätze gefährdet. Wir erwarten einen offensiven Ansatz, der wettbewerbsfähige Betriebe stärkt. Denn gerade diese Landwirtschaften versorgen einen Großteil des Marktes."


Rückfragehinweis:
Kristin Dawes, Presse und Kommunikation, Hauptverband der Land–und Forstwirtschaftsbetriebe Österreichs, Tel. 01/533 02 27–17, Mobil 0664/510 93 08,
e–mail: dawes@hvlf.at
 
Land&Forst Betriebe Österreich  |  ​ Schauflergasse 6, A-1010 Wien  | T +43 1 533 02 27  | F +43 1 533 21 04  |  ​ Impressum
© Land&Forst Betriebe Österreich
Schauflergasse 6, A-1010 Wien  |  T +43 1 533 02 27  |  F +43 1 533 21 04
Inhalt von http://www.landforstbetriebe.at; Stand vom Mi 12 Dez 2018 14:00:14 CET