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Wien, am 13.11.2000

Der Wald im Klimawandel

Der Wald im Klimawandel
WWF und Hauptverband für Land– und Forstwirtschaft präsentieren Handbuch für Forstleute
(Pressetext zur Pressekonferenz)

Wien, am 13.11.2000 ? Der Klimawandel betrifft Österreich! Die ersten Auswirkungen der globalen Erwärmung sind bereits deutlich zu sehen. Besonders gefährdet sind die Wälder im Osten Österreichs. Durch steigende Temperaturen und weniger Niederschläge sind sie wesentlicher anfälliger für Schäden als früher. Der WWF und der Hauptverband für Land– und Forstwirtschaft präsentieren nun ein Handbuch, das es Forstleuten und Ökologen erlaubt, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu treffen. Darüber hinaus formulieren Hauptverband und WWF auch konkrete Forderungen an die Bundesregierung, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern und die Nutzung der Biomasse zu fördern.

Die Ausgangsbasis: es wird wärmer und trockener
Aufgrund der globalen Klimaerwärmung kommt es zu einer Verschiebung der klimatisch bedingten Vegetationszonen. In Österreich hat die Jahresmitteltemperatur seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts um 1? C zugenommen. Gleichtzeitig haben die Niederschlagsmengen im Osten Österreichs seit Anfang des Jahrhunderts um ca. 10 bis 20 % abgenommen. Das heurige Frühjahr war das heißeste und trockenste seit 200 Jahren, ein kleiner Vorgeschmack auf die Zukunft.

"In den trockensten und wärmsten Gebieten Österreichs, den pannonisch beeinflußten Klimazonen Niederästerreichs, im Burgenland und in der Steiermark, sind erste Auswirkungen bereits spürbar." erklärt der Forstwirt und Obmann des Ressourcenfonds DI Alexander Kottwitz–Erdödy, "In meinem Betrieb in Kohfidisch nahe Güssing nehmen Trockenschäden und die Anfälligkeit für Forstschädlinge stark zu. Eine weitere Erwärmung kann unabsehbare Auswirkungen auf die Waldbestände haben."

Das Forschungsprojekt ? Ergebnisse in Buchform
Um stabile Waldbestände mit hohem natürlichen Anpassungspotential zu erhalten, müssen rechtzeitig geeignete Strategien für die Bewirtschaftung entwickelt werden. Diese Strategien müssen sowohl aus äkologischer als auch aus äkonomischer Sicht dem Nachhaltigkeitsprinzip entsprechen. Dazu wurde vom Fonds zur Förderung natürlicher Ressourcen Österreichs und vom Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr ein zweijähriges Forschungsprojekt finanziert. "Wir haben einen praxisnahen Leitfaden für Forstleute und Ökologen zur Auswahl der geeigneten Maßnahmen im Wald erstellt" berichtet Mag. Hanns Kirchmeier vom ECO, Institut für Ökologie.

Das Buch unterstützt den Forstpraktiker dabei, Entwicklungen des Standortes frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen – Wahl der Verjüngungstechnik, Baumartenkombination u.a. ? einzuleiten. "Bewährt hat sich beim Projekt besonders die Kombination unterschiedlicher Fachrichtungen, von der Vegetationsäkologie bis zur Forstwissenschaft und der starke Bezug zur forstlichen Praxis", beschreibt Univ. Prof. Dr. Georg Grabherr vom Institut für Ökologie die Herangehensweise an das Projekt.

WWF und Hauptverband forden offensive Klimaschutzpolitik
"Der Klimawandel ist bereits heute eine akute Bedrohung der Artenvielfalt. Ohne drastische klimapolitische Maßnahmen wird es in den nächsten Jahrzehnten zu einem enormen Artensterben nicht nur in den Wäldern kommen" zeigt Mag. Stefan Moidl Klimaexperte des WWF Österreich, auf.

Hauptverband und WWF sehen daher ihre Rolle nicht nur im rechtzeitigen Reagieren auf den Klimawandel beschränkt. Sie fordern, gerade in der Zeit der sechsten UN Klimakonferenz in Den Haag massive Anstrengungen, um der weltweiten Erwärmung entgegenzuwirken.

"Für die Forstwirtschaft ist der Klimawandel eine direkte spürbare Bedrohung. Daher haben wir ein eminentes Interesse an einer offensiven Klimaschutzpolitik" so Dr. Christian Brawenz, Generalsekretär des Hauptverbandes.

Im Rahmen der UN Klimakonferenzen hat sich Österreich verpflichtet, bis 2010 den Ausstoß von Treihausgasen um 13 % zu reduzieren. Der Ausstoß an Treibhausgasen in Österreich steigt aber immer noch an.

Ein Weg, um die schädlichen Treibhausgase zu verringern ist der verstärkte Einsatz von Biomasse. Aus Sicht des Hauptverbandes und des WWF sind folgende Rahmenbedingungen zu verändern:
 Eine Gesamtreform des Steuersystems, die äkologisches Handeln belohnt und nachhaltiges Wirtschaften fördert.
 Mehr Geld für die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen.
 Befreiung von Strom aus Biomasse, Windenergie und Solarenergie von der derzeit eingehobenen Energieabgabe.
 Die Einspeisetarife, das Entgelt für in das Netz gelieferten Strom, müssen einen äkonomischen Betrieb von Biomasseverstromungsanlagen gewährleisten.
 Deutliche Investitionsförderung für Biomassefeuerungen, auch in Einzelhäusern, durch Umgestaltung der Wohnbauförderung.

Weitere Informationen:
Mag. Hermine Wittmann, Hauptverband, Tel. 01/533 0227/19
Veronika Graf, WWF Österreich, Tel. 0676/83 488 203

 
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