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Wien, am 19.06.2015

Österreichischer Alpenverein auf Abwegen

Utl.: Radfahrer künftig bei jedem Gipfelkreuz?

Überraschend tritt der Österreichische Alpenverein heute, Freitag, im Rahmen einer Pressekonferenz für die generelle Öffnung von Forststraßen für Radfahrer ein. Dass er damit nicht nur einen Großteil seiner wandernden Mitglieder verstört, sondern auch die langjährig gepflegte Partnerschaft mit den heimischen Wald- und Grundbesitzern verlässt, hinterlässt Unverständnis und wirft viele Fragen auf.

„Seit einigen Wochen wird die von wenigen radikalen Gruppen geforderte Öffnung von Forststraßen für Mountainbiker wieder diskutiert. Dass bei dieser Diskussion weit über 90 Prozent der Bevölkerung benachteiligt werden und sogar rechtliche und finanzielle Konsequenzen für dieses einseitige Einzelinteresse mittragen werden müssen ist inzwischen bekannt. Umso mehr sind die heimischen Waldbesitzer nun über die überraschende Forderung des Österreichischen Alpenvereins entsetzt, da bis dato die einvernehmliche Lösung vor Ort im Sinne aller Waldbenützer ein Erfolgsmodell war und ist. Die gemeinsame und durchdachte Lenkung der verschiedenen Besucherinteressen hat bisher dazu geführt, dass ein Miteinander von Wanderern, Mountainbikern und allen anderen im Wald zumeist konfliktfrei organisiert werden konnte. Dass nun eine allgemeine Öffnung die jetzt nur in Einzelfällen auftretenden Konfliktsituationen und Unfälle vervielfachen soll, ist eine Position, die gerade vom Alpenverein nicht zu erwarten war“, so DI Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Einseitige Interessen auf Kosten von Pflanze, Tier und Mensch

Der Wald in Österreich ist Schutz-, Erholungs-, Wohlfahrts-, Lebens- und Wirtschaftsraum zugleich. Alle diese Wirkungen sind in Einklang zu bringen. Das hat auch der Gesetzgeber im Forstgesetz, aber auch in einer Reihe anderer Materiengesetze festgeschrieben. Für Anliegen, die über gesetzlich normierte Rechte hinausgehen, müssen regionale Lösungen gefunden werden, die eine Erhaltung dieses sensiblen Gleichgewichtes gewährleisten. Nur dadurch kann der nachhaltige Bestand des österreichischen Waldes gesichert werden.

„Im Bereich Mountainbiken ist die bedarfsorientierte Ausweisung von professionell gestalteten und betreuten Routen vor Ort ein internationales Vorbildmodell. Das ermöglicht, die Erfüllung aller dieser Waldwirkungen bestmöglich zu gewährleisten und auf die Bedürfnisse aller Waldbesucher und Nutzergruppen abzustellen. Das Durchdrücken einseitiger Interessen gefährdet dieses ausbalancierte System und führt zu einer Benachteiligung aller anderen Waldleistungen bzw. zu massiven Auswirkungen auf Kosten aller Waldnutzer. Auch die Tier- und Pflanzenwelt würde darunter leiden, denn die Gewährleistung von den so dringend notwendigen Ruhe- und Schutzgebieten wäre ebenso wenig mehr möglich wie die Sicherstellung einer nachhaltigen Bewirtschaftung“, erwartet Montecuccoli verheerende Auswirkungen bei einer generellen Forststraßenöffnung.

Verantwortung übernehmen ist gefragt

Der Alpenverein ist selber Wegehalter für ein großes Netz von Wanderwegen und kennt die Gefahren und Schäden, die durch unkoordiniertes Mountainbiken entstehen. Es stellt sich die Frage, ob der Alpenverein nach einer Öffnung aller Forststraßen die Wanderwege rigoros für Mountainbiker sperren würde? Oder wird er dann die Finanzierung der Wegeerhaltung durch die öffentliche Hand fordern?

„Als Grundbesitzer tragen wir die Verantwortung für das gesamte Ökosystem Wald. Der legitime Wunsch nach Erholung in diesem Naturraum ist nur eine der vielen Anforderungen, die wir dabei zu berücksichtigen haben. Durch eine gezielte Lenkung kann dieses Bedürfnis für alle Waldbesucher erfüllt werden, dafür stehen wir auch mit Lösungen vor Ort zur Verfügung. Eine erweiterte Öffnung von Forststraßen muss im Sinne der Gesellschaft, der Waldeigentümer und der Verantwortung für den Wald abgelehnt werden. Nachhaltigkeit bedeutet immer auch, dass Einzelinteressen im Sinne des Gesamten zurückgestellt werden müssen. Diese Verantwortung für den Wald muss aber auch jeder einzelne mittragen, indem er sich an die Spielregeln hält“, plädiert Präsident Montecuccoli.
 
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