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Wien, am 07.05.2015

Freizeitnutzung im Wald - Kommunikation statt Konfrontation

Utl.: Vertragliche Lösungen vor Ort sichern alle Funktionen des Waldes

Das Thema Freizeitnutzung im Wald ist einmal mehr in aller Munde. Aktuell auch deswegen, weil sich verschiedene Gruppen für die generelle Freigabe von Forststraßen für Mountainbiker aussprechen. Gestern fand zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion der Land&Forst Betriebe Steiermark in Graz statt.

Mit zunehmender Urbanisierung steigt in der Bevölkerung der Bedarf nach dem ungestörten Naturerlebnis sowie die Beanspruchung des Waldes durch Trendsportarten. Den Wald für Freizeitaktivitäten zu nutzen ist ein wichtiger Aspekt der vielfältigen Leistungen des Waldes. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass der Wald auch noch viele andere Funktionen erfüllen muss. Der Wald ist Schutz-, Erholungs-, Wohlfahrts-, Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitsraum zugleich. Das österreichische Forstgesetz regelt klar, dass durch nachhaltige Bewirtschaftung, Pflege und Schutz alle Funktionen sicherzustellen sind. Der Ausgleich all dieser wichtigen Aufgaben liegt dabei in der Verantwortung der Waldeigentümer. Nur diese kennen die jeweiligen individuellen Ansprüche und wissen, wie diese vor Ort erfüllt werden können.

Carl von Croÿ, Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark, eröffnete die Diskussion indem er festhielt, dass der Wald immer mehr verschiedene Funktionen erfüllen muss und es daher auch vermehrt zu Konflikten zwischen den verschiedenen Interessengruppen kommt. „Wichtig ist hier, in einen offenen Dialog zu treten. Der Wald kann vieles schaffen, wenn intelligent geplant und umgesetzt wird.“

Waldeigentümer DI Ulrich Stubenberg ist im stadtnahen Bereich täglich mit verschiedenen Interessen im Bereich Freizeitnutzung, Wirtschaft und Tourismus konfrontiert und versucht diese bestmöglich zu lenken. Dies ist bei der Vielzahl der Aktivitäten von Paraglidern, Mountainbikern, Wanderer mit Hunden, Downhill Racern und diversen Trendsportarten eine Herausforderung – so kommt es auch zu Konflikten innerhalb der verschiedenen Naturnutzer. Dabei muss er vor allem auch darauf achten, dass der Kernbereich Forstwirtschaft nicht gefährdet wird, denn davon lebt sein Familienbetrieb. „Ich habe von Anfang an versucht, vertragliche Lösungen herbeizuführen, was mir unter Einbindung aller Betroffenen auch gut gelungen ist. Die Verträge regeln die zeitliche und räumliche Nutzung und reduzieren die Haftungsprobleme. Die wichtige Erhaltung des Eigentums ist garantiert.“

Erich Neuhold, Geschäftsführer von Steiermark Tourismus, betonte die touristische Bedeutung des Waldes als essentieller Teil der Positionierung der Steiermark als Grünes Herz Österreichs. Er wünscht sich eine mit den Grundeigentümern akkordierte Erweiterung der Angebote für Radfahrer, allerdings dürfen dabei die anderen Funktionen des Waldes nicht vergessen werden. „Es gibt viele Beispiele, wo Maßnahmen mit dem Tourismus abgestimmt wurden und Besucherlenkung gut funktioniert. Regelungen und ein gutes Miteinander von Eigentümern und Gästen sind zentral.“

Dr. Norbert Hafner, Vorsitzender des Steirischen Alpenvereines hielt fest, dass der Alpenverein für „Wege ins Freie“, für Erlebnis und Erholung sowie „freie Betretbarkeit und Lenkung“ steht. „Behördliche Sperren sind zu berücksichtigen, wir stehen für ein ausgewogenes freies Betreten. Eine flächendeckende Öffnung der Forststraßen mit gewissen Einschränkungen wäre besser als Einzellösungen.“

Dazu gab es sowohl am Podium als auch im Publikum großen Widerspruch. So würde dabei z.B. auf die wirtschaftliche Nutzung der Forststraßen, die vor allem Arbeitsplatz sind, vergessen. Und auch die Haftungsfrage oder die Auswirkungen auf den Lebensraum von Tieren und Pflanzen sind bei diesem einseitigen Vorstoß nicht mitgedacht.

Der Wildbiologe Dr. Hubert Zeiler erklärte, was man im Wald überhaupt als Störung versteht und wann diese gravierend ist. So reagiert das Wild z.B. am stärksten auf Fahrzeuge wie Mountainbikes, die querfeldein fahren. Viele verheerende Auswirkungen auf das Wild bleiben oft unbemerkt. Auch er sieht aus wissenschaftlicher Sicht eine große Gefahr für den Lebensraum Wald bei einer generellen Wegefreiheit. „Der Eingriff eines Radfahrers in das Ökosystem ist viel größer als die eines Wanderers. Freizeit- und Tourismuslenkung ist daher ein wesentlicher Beitrag zum Tier- und Naturschutz.“

Dass es bilaterale Lösungen sowie neue Ansätze gibt, zeigte neben DI Stubenberg auch Oberforstmeister DI Karl Jäger auf. „Da es durch den verstärkten Tourismus in den Hohen Tauern immer weniger unberührte Flächen und Rückzugsgebiete für Wild gibt, wurde 2013 ein Tourismuslenkungsprojekt unter Einbindung aller Beteiligten initiiert. Ziel des Projektes ist es, Lenkungsmaßnahmen im Bereich Schitourismus zu installieren, die von den Nutzern angenommen und deren Vereinigungen beworben werden.“

Rechtsanwalt Mag. Ludwig Draxler stellte die rechtlichen Grundlagen bezüglich Grundeigentum und Freizeitnutzung dar. „Oft ist die Frage, was man darf und was nicht, schwierig und im Einzelfall zu lösen. Man kann nicht alle Situationen über einen Kamm scheren. Wichtig ist es daher, mit dem Gegenüber in einen konstruktiven Dialog zu treten und gemeinsam zu einem Ergebnis zu kommen.“

Als Resümee der Veranstaltung konnte festgehalten werden, dass eine undifferenzierte Freigabe von Forststraßen kontraproduktiv ist und zudem die vielfältigen anderen Funktionen das sensibel ausbalancierte Ökosystem Wald massiv gefährden würde. Es braucht in der Frage der Freizeitnutzung Regelungen vor Ort. Privatrechtliche Lösungen haben sich dazu bereits seit Jahren bewährt, auch wenn es um Haftung und Fragen der finanziellen Kompensation geht. Wesentlich ist, dass sich alle Nutzer des Waldes um ein gedeihliches Miteinander bemühen.

Rückfragehinweis:
Land&Forst Betriebe Steiermark
Mag. Barbara Christandl-Reithmayer Geschäftsführerin
Tel. 0316 825 325 | Mobil: 0664 1889022
E-Mail: stmk@landforstbetriebe.at


 
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