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Wien, am 27.02.2008

Wetterextreme stellen Forstwirtschaft vor Herausforderung

Die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der österreichischen Forstbetriebe und des europäischen Holzgeschäftes zu Jahresbeginn 2007 wurde Ende Jänner abrupt gestoppt. Im vergangenen Jahr war die europäische Forstwirtschaft geprägt von einem extremen Wetterereignis: Der Orkan Kyrill hat insgesamt fast 60 Millionen Festmeter Schadholz in Mitteleuropas Wäldern verursacht. Allein in Österreich lag die Schadholzmenge bei 5,6 Millionen Festmetern. „Die Forstbetriebe haben nach Kyrill und Paula viel zu leisten. Im Verhältnis zu Kyrill war das heurige Sturmtief Paula im europäischen Holzmarkt nur ein lokales Ereignis und stellt im Gesamtjahresvolumen eine verkraftbare Größe dar“, so DI Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Rekordeinschlag 2007
Kyrill, aber auch die gute Konjunktur sowie die steigende Nachfrage nach dem nachwachsenden Rohstoff Holz haben in Österreich 2007 eine noch nie da gewesene Holzerntemenge bewirkt. Insgesamt lag der Holzeinschlag bei fast 20 Millionen Festmetern – ein Rekord, den die Forstwirtschaft lieber ohne den Windwurf Kyrill verzeichnet hätte. Viele von Kyrill besonders betroffene Betriebe konnten nicht positiv bilanzieren, sondern mussten Scheingewinne verbuchen. Der Substanzverlust in den Waldbeständen und die waldbaulichen Folgekosten zur Bewältigung der Windwurfkatastrophe sind in der Bilanz nämlich nicht enthalten. „Der ausgewiesene Gewinn von rund 8 Euro je Festmeter täuscht“, sagte Montecuccoli. „Für die betroffenen Waldbesitzer sind massive finanzielle Verluste in der Höhe von rund 135 Millionen Euro gegenüber einer planmäßigen Waldnutzung entstanden. Die erhöhten Aufarbeitungskosten und Verluste bei der Holzausformung durch Bruchholz wirken sich massiv auf den Betriebserfolg der Forstbetriebe aus.“

Die von Kyrill verursachten Schäden waren bis September 2007 aufgearbeitet. Die aufnahmefähigen weltweiten Schnittholzmärkte haben der heimischen Sägeindustrie einen Rekordeinschnitt ermöglicht. Auch der Holzverbrauch der Papier- und Plattenindustrie konnte sich auf hohem Niveau stabilisieren. Die restlichen Holzmengen, insbesondere Bruchholz, wurden durch die erhöhte Nachfrage nach Energieholz abgesetzt. Trotzdem kam es zu deutlichen Preisverlusten von fast 12 Prozent bei Sägerundholz und rund 10 Prozent bei Industrieholz und mussten für das Sturmholz vielfach noch tiefere Preise in Kauf genommen werden.
Die Rekordproduktion der Sägeindustrie in Österreich von 11,3 Millionen Kubikmeter, aber auch in anderen europäischen Ländern, die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt und der schwache Dollar haben ab Jahresmitte 2007 einen Stau am internationalen Schnittholzmarkt bewirkt. Die heimischen Sägewerke haben darauf durch eine Rücknahme der Produktion reagiert, um die Schnittholzmärkte zu stabilisieren. Zur Jahreswende 2007/2008 standen die Vorzeichen für den Rundholzmarkt und die Forstwirtschaft wieder für eine günstige Entwicklung, nachdem sie das Sturmjahr 2007 mit einem blauen Auge bewältigt haben.

Paula zieht in Österreich eine Spur der Verwüstung
Just nachdem sich der Markt von Kyrill erholt hat, wurde die heimische Forstwirtschaft erneut von einem großen Windwurf heimgesucht. Laut Schätzungen von Bund und Ländern hat das Sturmtief Paula im Jänner dieses Jahres rund 6,2 Millionen Festmeter Holz auf den Boden gelegt. Für die betroffenen Betriebe bedeutet Paula schwere wirtschaftliche Einbußen – bis zu 24 Euro je Festmeter Schadholz. Diese resultieren aus Qualitätseinbußen durch die längere Lagerung, einen höheren Industrie- und Energieholzanteil, den Preisverfall am Holzmarkt, erhöhte Aufarbeitungskosten, die notwendige Sanierung der stark beanspruchten Straßen und durch zusätzliche waldbauliche Maßnahmen. Hochgerechnet hat Paula der heimischen Forstwirtschaft bisher einen Schaden von rund 150 Millionen Euro verursacht. „Um diesen Schaden einzudämmen, brauchen wir nun die Solidarität unter den Waldbesitzern und fordern dringend auf, die geplanten Nutzungen außerhalb der Sturmschadensgebiete zurückzustellen. Die geschätzte Windwurfmenge nach Paula ist der Bedarf der österreichischen Holzindustrie von drei bis vier durchschnittlichen Monaten. Wir sind der festen Überzeugung, dass der heimische Markt ab Herbst wieder Holz brauchen wird“, unterstrich Montecuccoli.

Wald ist zur Lebensraumsicherung unentbehrlich
Wir brauchen den Wald, um unseren Lebensraum vor Hochwasser, Lawinen, Muren, Steinschlag oder Rutschungen zu schützen. Nach Ereignissen wie Kyrill oder Paula müssen Sturmschadensflächen schnellstmöglich wieder in Bestand gebracht und so die Schutzwirkung des Waldes wieder hergestellt werden. Zur Bewältigung der Katastrophe ist die Unterstützung durch Bund und Länder unumgänglich. „Die Land&Forst Betriebe Österreich fordern daher die Aufhebung der Förderobergrenzen bei der Wiederaufforstung und bei der Errichtung von Forststraßen. Der Sturm unterscheidet nicht zwischen den Besitzern, der Fokus der Förderung muss klar auf der Schutzwirkung des Waldes liegen“, betonte Präsident Montecuccoli. „Nach wie vor benötigen wir darüber hinaus wasserrechtliche Richtlinien für Nasslager sowie Erleichterungen für Holztransporte. Seitens der Länder bedarf es dringend mehr guten Willens bei den Bewilligungen für Nasslager.“

Sorgenkind Laubholz
Größtes Sorgenkind der heimischen Forstwirtschaft sind nach wie vor die Laubholzbetriebe. Niedrigere Holzerträge und deutlich höhere Waldbaukosten verglichen mit den Nadelholzbetrieben erlauben im Laubwald keine positiven wirtschaftlichen Ergebnisse. Einem durchschnittlichen Betriebserfolg von rund 8 Euro steht im Laubwald ein Minus von rund 3 Euro gegenüber. Der Forschungsschwerpunkt im Waldbau muss darauf Rücksicht nehmen. Die großen Vorteile des Nadelholzes im Bau – seine Leichtigkeit und hohe Festigkeit – untermauern dies zusätzlich.

Mehr Forschung und Entwicklung zur Stärkung des Forstsektors
Trotz erhöhter Waldbaukosten nach den Sturmereignissen sind die Holzerntekosten nach wie vor der größte Posten für die Forstwirtschaft. Hier konnten in den letzten Jahren einige Erfolge bei der Rationalisierung und eine Senkung um rund 10 Prozent erzielt werden. Für weitere positive Effekte sind vor allem im Gebirge weitere Technologieinnovationen notwendig. Der Grüne Bericht zeigt, dass auch die Beschäftigung in den Forstbetrieben mit plus 2,5 Prozent wieder im Steigen ist. Die Investitionen in den Waldbau wurden im Sinne der Nachhaltigkeit in den letzten Jahren verstärkt. „Um auch in Zukunft mit dem erhöhten Risiko durch den Klimawandel Österreichs Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, brauchen wir zusätzliche Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung, insbesondere bei Klima- und Klimafolgenforschung, Waldbau unter veränderlichen Bedingungen, Forstschutz und Grundlagenforschung zur Genetik der Waldbäume“, so Montecuccoli.

Der Wald erfüllt viele Funktionen
Der Wald wird immer wichtiger als ein Ort der Erholung für die Menschen. Die Waldeigentümer stehen dabei vor der Herausforderung, die vielfältigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Leistungen des Waldes weiterhin zu gewährleisten. Für ein intaktes Ökosystem, in dem sich Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen wohl fühlen können, appellieren die Land&Forst Betriebe Österreich an die Waldbesucher, den Lebens- und Arbeitsraum Wald die nötige Achtung entgegen zu bringen. Damit wir alle unseren Wald richtig genießen können“, betonte DI Felix Montecuccoli abschließend.
 
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