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Wien, am 26.07.2007

Ernte besser als erwartet

Wetterkapriolen bestimmen zunehmend den internationalen Getreidemarkt

Die extreme Trockenheit in der ersten Jahreshälfte hat der Landwirtschaft stark zugesetzt. Aufgrund der ungünstigen Witterung im Frühjahr bestand Gefahr, dass bis zur Hälfte der Getreideernte ausfallen könnte. Durch den Regen in den vergangenen Wochen verzeichnen viele Regionen dennoch ein zufriedenstellendes Ernteergebnis. Gemildert wird die Situation der Landwirte zudem durch bessere Preise. Damit haben die Bauern erstmals seit langem die Möglichkeit, unter fairen Rahmenbedingungen Nahrungsmittel zu erzeugen. Der globale Getreidemarkt wird immer stärker von Wetterextremen bestimmt.

Das erste Halbjahr 2007 war extrem trocken und hatte praktisch keine Niederschläge ?besonders betroffen davon waren die Monate April und Mai. Dennoch werden viele heimische Landwirte heuer ein zufriedenstellendes Ernteergebnis von den Feldern einfahren: hatte man im Zeitraum April und Mai noch Ernteinbußen zwischen 30 und 50 Prozent befürchtet, so hat sich die Situation in den vergangenen Woche deutlich stabilisiert. „Österreich ist bei der Ernte mit einem blauen Auge davongekommen”, betont Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. „Wir erwarten ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu einem normalen Jahr.” Bei Getreide werden etwa 200.000 Tonnen weniger geerntet werden.

Für viele Regionen kam der lang ersehnte Regen noch im letzten Augenblick. Gleichzeitig lassen die steigenden Preise auf ein positives Ergebnis hoffen. Zwar blieben die Hektarerträge in manchen Regionen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Jedoch werden diese oft schwachen Erträge durch die stabile, hohe Preisentwicklung der vergangenen Wochen teilweise ausgeglichen. Wie die Maisernte ausgehen wird, ist noch offen: diese Pflanzen haben vor allem im Osten unter der Hitze gelitten.

Große regionale Unterschiede bei Ertrag und Qualität

„Die größten Einbußen mussten dieses Jahr die traditionellen Frühdruschgebiete in Ostösterreich hinnehmen”, so Montecuccoli. Die inhomogene Ernte in dieser Region wird durch folgendes Bild deutlich: Die Erträge bei Weizen lagen unter 2,5 Tonnen je Hektar. Zudem gab es große Unterschiede in den Qualitäten ? der Eiweißgehalt schwankte zwischen 11 und 16 Prozent. Premiumqualitäten konnten kaum geerntet werden. Die Erträge liegen hier deutlich unter einem Normaljahr. Besonders stark betroffen ist davon die Hartweizensorte Durum, hier musste man Einbußen von bis zu 30 Prozent hinnehmen.
Eine Rekordernte gab es hingegen in den Futterbaugebieten in der ober– und niederösterreichischen Westbahnregion: Weizenerträge auf guten Standorten lagen nicht selten bei sechs bis sieben Tonnen je Hektar. Bei den Qualitäten verzeichnete man einen Eiweißgehalt von bis zu 17 Prozent.

Die nördlichen Ernteregionen Österreichs im Waldviertel liegen beim Ertrag weit unter dem Durchschnitt. In diesem Gebiet haben Sommergewitter und Hagel deutliche Einbußen beim Ertrag und in der Qualität verursacht. Derzeit rechnen die Landwirte mit Mindererträgen im Ausmaß von 20 bis 30 Prozent. Biobetriebe mussten vor allem beim Sommergetreide Hafer katastrophale Ernteausfälle hinnehmen.

Bessere Preise vermindern starke Kostenbelastung der Bauern

Das auf den ersten Blick hohe Preisniveau muss relativiert werden. Der gegenwärtige
Preispegel spiegelt immer mehr den Weltmarkt wider ? laut Index für pflanzliche Erzeugnisse hat dieser in etwa das Niveau von 1995 erreicht. „Die vergangenen Jahre waren für viele Landwirte eine Durststrecke”, betont Montecuccoli. „Mit den derzeitigen Preisen wird es für uns Landwirte erstmals seit langem möglich, unter fairen Rahmenbedingungen Nahrungsmittel zu produzieren.” Vergleicht man die Entwicklung des Weizen– und Semmelpreises anhand des Erzeuger– und Verbraucherpreisindex auf Basis des Jahres 1980, wird die Situation der Bauern besonders deutlich: während der Semmelpreis–Index auf 250 Prozentpunkte in die Höhe schnellte, waren die Landwirte im Vergleich dazu mit einer Preisentwicklung von minus 50 Prozent konfrontiert. Dass die Bauern für Getreide und Milch bessere Preise bekommen, war dringend notwendig. Denn die Lohn– und Gehaltskosten sowie Preise für Treibstoff und Betriebsmittel wie etwa Düngemittel sind stark gestiegen.


Wetterkapriolen bringen globalen Getreidemarkt unter Druck

Die internationale Marktlage ist angespannt. Entscheidender Faktor ist hier das Klima und die Witterung: in der EU können die ursprünglich erwarteten 270 Millionen Tonnen Getreide nicht geerntet werden. Letzte Schätzungen gehen von 250 Millionen Tonnen aus. Der Anteil der Bioenergie macht dabei 2,5 bis 3 Millionen Tonnen aus ? das entspricht rund 1,3 Prozent der gesamten Getreideproduktion in der EU. In einem Normaljahr liegt die Ernte bei 280 bis 290 Millionen Tonnen Getreide. „Nicht die Bioenergie, sondern die Wetterextreme entscheiden über die Erntemenge”, erklärt Montecuccoli. 2007 wird EU–weit ein Minus von 30 bis 40 Millionen Tonnen im Vergleich zu einem Normaljahr erwartet. Die Märkte werden zunehmend spekulativer und immer weniger berechenbar. Die Ernteerwartungen für West– und Osteuropa werden fast täglich zurück genommen.

Warenterminbörsen für Preisabsicherung nutzen

Der internationale Getreidemarkt ist stark geprägt von der ungünstigen Erntewitterung. Hinzu kommen laufend nach unten korrigierte Ernteeinschätzungen der Analysten. Das spiegelt sich an den relevanten Börsen wider: MATIF Paris und Hannover handeln bereits Brotweizen mit 12%–Eiweiß zu einem Preis von über 200 Euro je Tonne. Eine ähnliche Situation zeigt sich am Rapsmarkt. Die Zurücknahme der EU–Ernteprognosen hat den Rapspreis auf 305 Euro je Tonne (Erfüllung November 07) steigen lassen. „Der Handel über Warenterminbörsen kann zur Preisabsicherung für die Bauern genutzt werden”, betont Montecuccoli. „Derzeit wird in Österreich kein Terminhandel vollzogen, weil gegenwärtig ein Anlieferungsort für Getreide mit entsprechender Umschlagskapazität noch nicht existiert.” Dieser müsste idealerweise an einem schiffbaren Binnengewässer liegen, um die kalkulierten Frachtkosten niedrig zu halten.


Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Land&Forst Betriebe Österreich, Kristin Dawes, Presse und Kommunikation,
Tel. 01/533 02 27–17, E–mail: dawes@landforstbetriebe.at
 
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