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Wien, am 06.07.2007

Neues Verfahren ermöglicht einheitliche Erhebung des Wildeinflusses auf den Wald

Erste Ergebnisse des europaweit einzigartigen Wildeinfluss–Monitoring liegen vor

„Mit dem österreichischen Wildeinfluss–Monitoring (WEM) wurde ein wichtiger Beitrag zur objektiven Erfassung des Wildeinflusses auf die Waldverjüngung geleistet. Die neue und europaweit einzigartige Methode ist eine sinnvolle Ergänzung zu den bereits bestehenden Verfahren wie zum Beispiel der Österreichischen Waldinventur. Es ermöglicht, Verbissdaten nach einer von allen Landesforstdiensten und der Jägerschaft anerkannten Methode in allen Bundesländern einheitlich zu erheben und auszuwerten”, so Landwirtschafts– und Umweltminister Josef Pröll heute anlässlich der Vorstellung der ersten Ergebnisse des österreichischen Wildeinflussmonitoring im Rahmen einer Pressekonferenz.

Die Diskussion um den Einfluss und die Auswirkungen des Wildes auf die österreichischen Waldbestände war oft sehr widersprüchlich und emotional. Grund dafür waren die unterschiedlichen Interessenslagen sowie die fehlende wissenschaftliche und von allen Betroffenen anerkannte fundierte Datenbasis. Auch die Österreichische Waldinventur, die im Durchschnitt alle vier Jahre erhoben wird, lässt kurzfristige Betrachtungen aufgrund der langen Beobachtungszeiträume kaum zu.

Auf Initiative von Bundesminister Josef Pröll wurden nun alle betroffenen Interessenvertretungen aus Jagd und Forst eingeladen, ein gemeinsames Beobachtungssystem unter der wissenschaftlichen Aufsicht des Forschungszentrums Wald (BFW) zu entwickeln. Wichtigstes Ziel war, mit einer konsensfähigen Methode möglichst kostengünstig objektive Daten über die Intensität und Entwicklung des Wildeinflusses zu bekommen. „Auch angesichts der bereits stattfindenden Diskussion zum Klimawandel war und ist es besonders wichtig, genauer als bisher die Verjüngung des Waldes zu verfolgen und eine wissenschaftliche Entscheidungsgrundlage für diesen sensiblen Bereich zu schaffen”, so der Minister.

Die ersten Ergebnisse des Wildeinfluss–Monitoring Systems zeigen, dass rund ein Drittel der untersuchten Flächen geringen Wildeinfluss aufweisen, das heißt, dass kein Einfluss auf die Verjüngung zu erwarten ist. Mehr als die Hälfte der untersuchten Gebiete weisen jedoch einen starken Wildeinfluss auf, hier ist bei anhaltendem Wildeinfluss auf diesem Niveau ein wirtschaftlicher und eventuell auch ökologischer Schaden auf dieser Fläche zu erwarten. Die Ergebnisse müssen jedoch unter der Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten interpretiert werden, da die einzelnen Waldgesellschaften unterschiedlich empfindlich bezüglich des Wildeinflusses auf die Verjüngung sind. Die Ergebnisse in den Bundesländern fallen daher je nach Ausstattung mit Laub– und Nadelwäldern unterschiedlich aus.

An der Verteilung der Baumarten in den einzelnen Höhenstufen kann man die unterschiedlichen Auswirkungen des Verbisses auf die einzelnen Baumarten gut beobachten. „Hält der Trend an, zeichnet sich eine ´schleichende Entmischung´ ab: Laubhölzer und Tanne werden verbissen und fallen aus, Fichte bleibt übrig. Dies ist vor allem in Tieflagen und Mischwaldregionen unerwünscht. Wichtig ist hier im Rahmen von Folgeerhebungen festzustellen, wie sich die Baumartenanteile verschieben und ob gewisse Baumarten in den oberen Höhenklassen überhaupt noch vertreten sind”, sagte der Leiter des BFW Harald Mauser.

Anhand von 40 weidefreien Punkten pro Bezirk wurden der Wildeinfluss und dessen Entwicklung objektiv, nachvollziehbar und bundesweit einheitlich erhoben. Die Einteilung erfolgte in die Kategorien kein bzw. geringer Wildeinfluss, mittlerer Wildeinfluss sowie starker Wildeinfluss. Die Daten wurden durch die Länder erhoben, über Internet in eine Datenbank eingetragen und zentral am BFW ausgewertet. Der Bund finanzierte die Erhebung zu 60 Prozent, 40 Prozent der Kosten trugen die Länder.

Der Lebensraum Wald ist in Österreich untrennbar mit dem Wild und der Jagd verbunden. Die Waldwirtschaft trägt in Österreich wesentlich zur Erhaltung und einem bewussten Umgang mit der Natur bei. Im Sinne einer nachhaltigen Nutzung der Natur und der Erhaltung der Artenvielfalt sorgen die Waldbewirtschafter gemeinsam mit den Jägern für ein Gleichgewicht von Wald und Wild. „In unserer Arbeit steht die Erhaltung gesunder, artenreicher und stabiler Wälder an oberster Stelle,” betont Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. „Das neue WEM–System dient zukünftig als langfristige und akzeptierte Entscheidungshilfe für die Beurteilung der Wald–Wild Situation in Österreich. Es kann als allgemeine Orientierungshilfe für das Naturraum–Management der Bewirtschafter einen wertvollen Beitrag leisten.”

Das Wild wird durch die vielfältigen Aktivitäten im Wald beeinflusst: Der Druck auf die Wildtiere nimmt vor allem durch die verstärkte Nutzung des Naturraumes als Erholungsort und Sportstätte zu. „Das führt zur Beunruhigung und einem erhöhten Energieverbrauch der Tiere. Somit steigt ihr Nahrungsbedarf”, so Montecuccoli. Das führt zwangsläufig zu einem verstärkten Verbiss.

Die Waldeigentümer tragen die Verantwortung für den Erhalt der vielfältigen Waldfunktionen. Pauschale Vorschriften zur Wildstandsregulierung sind in der Regel nicht zielführend. Für ein gesundes Gleichgewicht von Wald und Wild sind spezifische Maßnahmen notwendig: Diese müssen auf die jeweilige standörtliche Situation und Interessenslage abgestimmt werden. Handlungsbedarf besteht dann, wenn Waldfunktionen ? insbesondere die Schutzwaldfunktion ? gefährdet sind. „Das Ökosystem Wald muss seine Nutz–, Schutz–, Wohlfahrts– und Erholungsfunktion auch in Zukunft erfüllen können”, so Montecuccoli. „Das garantieren die Forstbetriebe mit ihrer sorgfältigen und in Eigenverantwortung durchgeführten Bewirtschaftung.”

„Für die Jägerschaft ist es wichtig zu betonen, dass dort wo Wild vorkommt, es auch Wildeinfluss gibt. Das neue Wildeinfluss–Monitoring System hat endlich mit dem Gleichsetzen von Wildeinfluss und Wildschaden aufgeräumt. Diese Unterscheidung wird erstmals konsequent getroffen”, hebt auch Landesjägermeister Heinz Gach abschließend den Mehrwert des neuen Systems aus der Sicht der Jäger hervor.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Kristin Dawes, Presse und Kommunikation, Land&Forst Betriebe Österreich
Tel. 01/5330227–17, e–mail: dawes@landforstbetriebe.at
 
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