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Wien, am 20.03.2007

Unser Wald: Rückblick. Ausblick. Lichtblick.

Forstwirtschaft und Holz sind tragende Säulen im Klimaschutz

Die österreichischen Forstbetriebe konnten ihre wirtschaftliche Situation im vergangenen Jahr verbessern. Die steigende Nachfrage nach dem Rohstoff Holz stimmt auch für die Zukunft optimistisch. Getrübt werden die Aussichten jedoch durch den Klimawandel. Denn kein anderer Wirtschaftszweig ist so stark vom Wetter abhängig wie die Forstwirtschaft. Gleichzeitig spielen Wald und Holz bei der Lösung der Klima? und Energieproblematik eine maßgebliche Rolle. Der nachwachsende Rohstoff wird in Zukunft ein wichtiger Schlüssel für eine starke Wirtschaft und gesunde Umwelt sein. Dazu müssen jedoch gute Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hier ist die Politik gefordert.

"Die heimischen Forstbetriebe können auf ein erfolgreiches Jahr 2006 zurückblicken", betont Felix Montecuccoli, Präsident des Verbandes der Land&Forst Betriebe Österreich. "Die gute Konjunktur und die große Holznachfrage hat die Ertragslage der Forstwirtschaft verbessert." Mit einem nachhaltigen Gewinn von rund acht Euro je Festmeter ist die Motivation für eine aktive Waldbewirtschaftung stark gestiegen.

Der europaweite strenge Winter hat im vergangenen Jahr die forstliche Produktion verzögert. Die enormen Schneemengen machten eine normale Holzernte erst ab April möglich. Dass der gesamte Jahreseinschlag von insgesamt 16,5 Millionen Festmeter in den restlichen Monaten nachgeholt werden konnte, ist dem großen Einsatz der Waldbewirtschafter und der guten Kooperation mit den Marktpartnern in der Holzwirtschaft zu verdanken.

Das Jahr 2006 war auch durch einen dynamischen Schwung bei den Holzpreisen gekennzeichnet: Der Nadelrundholzpreis lag bereits zu Jahresanfang bei 72 Euro je Festmeter und stieg bis zum Jahresende auf 85 Euro an. Die gute Konjunktur hat weltweit die Schnittholznachfrage stark angekurbelt. Eine positive Preisentwicklung setzte im Gegensatz zu anderen Rohstoffen - wie etwa Zement, Schotter oder Kunststoff - jedoch erst gegen Ende 2005 ein.


Neuer Rekord im Exportüberschuss

Die heimischen Sägewerke produzierten 2006 um sieben Prozent weniger Schnittholz als im Jahr davor. Die Rundholzimporte sind im gleichen Ausmaß zurückgegangen, da die Windwurfmengen aus der Slowakei und Schweden von 2005 aufgearbeitet waren. Die Einfuhr von den Hauptlieferanten Deutschland und Tschechien ist sogar gestiegen, obwohl in diesen Ländern neue Sägewerke entstanden sind.

Die geringere Schnittholzproduktion der Sägeindustrie hat sich auch in mengenmäßig geringeren Nadelschnittholzexporten ausgewirkt. Wertmäßig konnten die Schnittholzexporte trotz geringerer Mengen um sechs Prozent zulegen. Dies wird sich in der Außenhandelsbilanz des Sektors Holz positiv auswirken: Lag der Überschuss der gesamten Holzbranche 2005 bereits bei 3,32 Milliarden Euro, wird 2006 die Rekordmarke von über 3,5 Milliarden Euro erreicht werden.
"Aufgrund seiner klimafreundlichen Eigenschaften wird Holz immer mehr für die Energieproduktion nachgefragt", so Montecuccoli. Die gleichzeitig stabile Nachfrage der Papier? und Plattenindustrie nach Industrieholz hat eine erfreuliche Trendumkehr bei den Preisen für dieses Holzsortiment gebracht: Lag der Mischpreis für Industrieholz Anfang 2006 bei lediglich 28 Euro je Festmeter, konnten zu Jahresende 31,5 Euro erzielt werden. Diese Entwicklung ist europaweit zu beobachten. Die hohe Produktion im Papier? sowie Plattensektor und die massiv gestiegene Nachfrage nach Energieholz haben den Import dieses Holzsortiments stark angekurbelt - insbesondere aus Deutschland und unseren Nachbarländern im Osten.


Unterschiedliche Betriebserfolge

Die positive Preisentwicklung beim Holz hat den Betriebserfolg der Forstbetriebe verbessert: je Festmeter konnte im Vorjahr ein Gewinn von acht Euro erzielt werden. In Gebirgsregionen liegt der Betriebserfolg aufgrund höherer Erntekosten zwischen zwei bis fünf Euro. Weniger rosig ist die Situation für Forstbetriebe im östlichen Flach? und Hügelland: hier liegen die Gewinne nach wie vor bei Null. Verantwortlich dafür sind die geringere Produktionskraft der Böden und der höhere Laubholzanteil. Etwas höhere Kosten entstanden durch verstärkte Investitionen in die Waldpflege und ?verjüngung. Bei der Holzernte konnten aufgrund verbesserter Mechanisierung und Ernteverfahren die Kosten weiter gesenkt werden.


Holzfäller Kyrill

Am 18. und 19. Jänner fegte der Orkan Kyrill mit Windspitzen von über 200 km/h über weite Teile Europas hinweg. Die enorme Wucht dieses Sturmes hat auch in Österreichs Wäldern Spuren hinterlassen: Nach dem Unwetter lagen etwa 3,1 Millionen Festmeter Holz am Boden - das entspricht rund 15 Prozent des geplanten Jahreseinschlags. Betroffen waren vor allem die Regionen Wald?, Mühl? und Innviertel, Flach? und Tennengau und die nördliche Steiermark. Insgesamt fielen "Kyrill" in Europa 49 Millionen Festmeter Holz zum Opfer. Neben Österreich waren vor allem Deutschland, Tschechien und Polen betroffen. Dem Schaden steht ein Normaleinschlag von 450 Millionen Festmeter gegenüber. Der Wald ist im Vergleich zu früheren Stürmen mit einem blauen Auge davon gekommen: im Jahr 1990 legte Wiebke 100 Millionen und Lothar 1999 sogar 180 Millionen Festmeter Holz um.

Eine große Herausforderung sind für die Forst? und Holzwirtschaft die großen Mengen, die in einem kurzen Zeitraum angefallen sind. Aufgrund der Engpässe im Vorjahr hat sich die Holzindustrie gut mit Rohstoffen versorgt. Dadurch stoßen die Aufnahmekapazitäten in den Sägwerken und bei der Papier? und Plattenindustrie an ihre Grenzen. Der Absatz von Bruchholz in den Sektor der Alternativenergie läuft hingegen gut.

"Um den ökologischen und ökonomischen Schaden möglichst gering zu halten, haben wir sofort nach dem Orkan ein Maßnahmenpaket für Politik und Behörden erarbeitet", erklärt Montecuccoli. "Ein erheblicher Teil wurde umgesetzt, jedoch sind noch einige wichtige Forderungen offen." Inzwischen hat sich gezeigt, dass zur Marktentlastung auch das Anlegen von Nasslagern erforderlich ist. Dadurch entstehen für die Forstbetriebe zusätzliche Kostenbelastungen. Um einem Schädlingsbefall vorzubeugen müssen weitere Forstschutzmaßnahmen getroffen werden - dazu gehört das Legen von Fangbäumen und Zerhacken von Ästen. Die finanzielle Unterstützung dieser Maßnahmen durch die öffentliche Hand ist für die Forstwirtschaft unbedingt notwendig.

Die Holzmengen nach "Kyrill" haben auch bei den Preisen ihre Spuren hinterlassen: inzwischen haben sie sich aber bei 80 Euro stabilisiert. Dringend abzuraten ist von weiteren Preissenkungen bei Rundholz: Wird jetzt billiger Rohstoff gehandelt, so hat dies niedrigere Preise am stabilen und von hoher Nachfrage geprägten Schnittholzmarkt zur Folge. Sobald die Sturmholzmengen im Spätherbst bzw. nächsten Jahr aufgearbeitet sind, werden die Nachfrage nach Holz und somit die Preise wieder anziehen. Ein Sägewerk müsste dann bei gesunkenen Schnittholzpreisen teureres Rundholz einkaufen. Diese ungünstige Situation kann durch die Stabilisierung der Holzpreise bei 80 Euro und aufwärts vermieden werden. Die Holzpreissenkungen werden die Gewinne für die Forstbetriebe etwas eindämmen. Dennoch blicken sie optimistisch in die Zukunft: Bei anhaltend guter Konjunktur sollten auch die Holzpreise wieder anziehen. Gut entwickelt hat sich auch das Kooperationsabkommen Forst Holz Papier: gemeinsam konnten die neuen Holzhandelsusancen, Normen für die Messung und Klassifizierung von Rundholz sowie ein modernes, elektronisches Datenaustauschformat für das Holzgeschäft auf Schiene gebracht werden.


Klimawandel bedroht Forstwirtschaft

Trotz der wirtschaftlich guten Aussichten steht die Forstwirtschaft aufgrund des Klimawandels vor enormen Herausforderungen. Denn kein anderer Wirtschaftszweig ist so stark vom Klima abhängig. Aktuelle Studien sagen für Österreich in den kommenden 30 Jahren eine Zunahme der Jahresdurchschnittstemperatur von 2?C sowie häufige Stürme und Trockenheit voraus. Der natürliche Anpassungsprozess des Waldes ist wesentlich langsamer als der Klimawandel. Das würde eine zwischenzeitliche Entwaldung, den Verlust der lebensnotwendigen Waldfunktionen und somit negative Auswirkungen für Umwelt und Wirtschaft mit sich bringen. Auch in Zukunft wird Nadelholz aufgrund seiner ausgezeichneten Eigenschaften als Baustoff gebraucht werden - denn es ist leicht, fest, elastisch. Die Waldbesitzer stehen nun vor der Frage, wie man sich bei der Bewirtschaftung des Waldes an die sich verändernden Bedingungen anpassen kann.


Wald und Holz sind Schlüsselfaktoren im Klimaschutz

Beim Prozess der Fotosynthese wird CO2 aus der Luft entnommen und in der Biomasse gebunden. Eine Fichte mit einer Holzmasse von einem Festmeter speichert im Laufe ihres Lebens rund 200 kg Kohlenstoff und entnimmt dadurch der Atmosphäre 750 kg CO2. Der österreichische Wald liefert zudem mit dem nachwachsenden Produkt Holz einen vielseitig einsetzbaren Rohstoff, der bei der Bewältigung der Klima? und Energieproblematik eine maßgebliche Rolle spielen kann. Bei der Produktion, Be? und Verarbeitung von Holz werden wesentlich weniger Ressourcen und Energie verbraucht, als bei Materialien auf der Basis von fossilen und nicht erneuerbaren Rohstoffen. Einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz ist auch das Bauen mit Holz - denn der Kohlenstoff bleibt dauerhaft gebunden. Zudem können fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle durch die Verwendung der CO2?neutralen Biomasse zur Energieerzeugung ersetzt werden.


Politik für den Klimaschutz

"Jeder einzelne kann durch sein Verhalten einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten", betont Montecuccoli. "Dennoch trägt die Politik hier eine besondere Verantwortung." Sie muss daher gute Rahmenbedingungen für die verstärkte Verwendung von Holz schaffen:

Bei der Errichtung und Sanierung öffentlicher Gebäude müssen die Ausschreibungskriterien auf Energieeinsparung fokussieren. Auch die Energiebilanz der verwendeten Baustoffe soll dabei berücksichtigt werden. Nachwachsende Rohstoffe und Baumaterialien wie heimisches Holz müssen vermehrt zum Einsatz kommen.

Mehr genetische Informationen werden in Zukunft notwendig sein, um jene Baumarten zu finden, die mit höheren Temperaturen umgehen können. Dazu muss wissenschaftlich ein genetisches Vermehrungsprogramm erarbeitet werden. Benötigt wird ein Langzeit?Forschungsprogramm von 10?15 Jahren, das die "Genetik für Wälder der Zukunft" untersucht. Hauptaugenmerk sollte dabei auf den Baumarten Fichte, Lärche und Buche liegen.

Um die technische Entwicklung von Motoren für biogene Treibstoffe voranzutreiben, sollten Bund, Länder und Gemeinden Impulse setzen: Ausschreibungen für öffentliche Transportflotten - wie Autos, Lkw, Schiffe, Bahn - müssen von den Herstellern den Betrieb mit biogenen Treibstoffen fordern. Eine solche Österreich?Initiative sollte man gleichzeitig auf EU?Ebene ausdehnen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Land&Forst Betriebe Österreich, Kristin Dawes, Presse und Kommunikation,
Tel. 01/533 02 27?17, e?mail: dawes@landforstbetriebe.at
 
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