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Wien, am 27.07.2006

Getreideernte 2006: Sonnenschein bringt Top–Qualitäten

Getreideernte 2006: Sonnenschein bringt Top–Qualitäten
Offenlegung der EU–Agrarmittel darf Leistungen der Bauern nicht verschweigen

Die Getreideernte läuft auf Hochtouren. Das heiße trockene Wetter hat auf den Feldern hervorragende Qualitäten heranreifen lassen. Doch die extreme Hitze bringt regional auch Verluste. Manche Landwirte müssen Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent hinnehmen. Um die Bauern zu unterstützen, muss die Landwirtschaftliche Produktenbörse für eine raschere Preisinformation sorgen. Nach dem Scheitern der WTO Doha–Runde haben alle Beteiligten die Chance, nach einer Denkphase neue Ansätze zu finden. Bei einer Offenlegung der Empfänger von EU–Agrargeldern sind die Land&Forst Betriebe Österreich für eine echte Transparenz. Die derzeit geplante Form der Umsetzung birgt jedoch große Gefahren.

Auf praktisch allen Feldern in Österreich sind die Bauern jetzt mit Mähdreschern unterwegs. "Wir erwarten aufgrund des warmen und trockenen Wetters in den vergangenen Tagen eine gute Ernte", betont Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. "Einbußen könnten noch lokal durch extreme Wetterereignisse entstehen."

Die Anbauflächen wurden im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent reduziert. Somit wachsen auf den heimischen Feldern auf insgesamt 770.000 Hektar Getreide, Mais und Ölfrüchte wie etwa Raps. Aufgrund der etwas geringeren Anbaufläche als 2005, wird die gesamtästerreichische Erntemenge dieses Jahr leicht zurückgehen: Im Vorjahr wurden 4,8 Millionen Tonnen Getreide, Mais und Ölfrüchte von den Feldern eingefahren. 2006 dürften die Erträge bei etwa 4,6 Millionen Tonnen liegen.


Hervorragende Getreidequalitäten

Die ersten Ergebnisse in den Frühdruschgebieten im südlichen Niederästerreich und Burgenland lassen eine leicht überdurchschnittliche Erntemenge erwarten. "Besonders erfreulich ist die hervorragende Qualität der Getreideprodukte", sagt Montecuccoli. "Das heiße und trockene Wetter der letzten Tage lässt das Korn ideal abreifen. Somit ist bestes Getreide zu erwarten." In der Region Parndorferplatte wird Premiumweizen mit einem Proteingehalt von 16 bis 17 Prozent geerntet. Wo kein Gewitterregen gefallen ist, müssen die Bauern jedoch mit lokalen Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent rechnen.
Bei Roggen und der Weizen–Roggen–Kreuzung Triticale müssen die Landwirte in Regionen wie etwa dem Weinviertel große Einbußen hinnehmen: Der vergangene Winter hat die Felder über vier Monate unter einer Schneedecke eingeschlossen. Das hat in den Pflanzen zu Schneeschimmelbildung geführt. Die Bestände wurden dadurch um drastische 40 Prozent reduziert. Bei anhaltender Hitze drohen bei den Maisbeständen vor allem in Niederästerreich und im Burgenland große Ausfälle.
"Wir empfehlen unseren Betrieben, gute Erntequalitäten einzulagern", so Montecuccoli. "Erst wenn sich ein Marktpreis etabliert hat, sollte verkauft werden."
Insgesamt wurde in Europa für 2006 eine höhere Ernte vorausgesagt. Im EU–25 Schnitt sollen rund 5,1 Tonnen Getreide pro Hektar geerntet werden. Das sind um 1,9 Tonnen pro Hektar mehr als im Vorjahr und um 1,6 Tonnen pro Hektar mehr als im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2005. Ertragssteigerungen werden im Vergleich zu den Durchschnittswerten von 2001 bis 2005 bei Weichweizen (+4,3%), Wintergerste (+2,3%) und Mais (+3,0%) erwartet. Für Hartweizen und Sommergerste wird hingegen ein Rückgang von 2,3 Prozent beziehungsweise 4,4 Prozent prognostiziert. Aufgrund der extremen Hitze und Dürre werden jedoch die vorausgesagten Mengen nicht erreicht werden.


Landwirtschaftliche Produktenbörse muss aktiv werden
Aus den Frühdruschgebieten für Raps wird gemeldet, dass der Preis etwa 20 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt. Derzeit werden für die Ölfrucht zwischen 230 ?/t bis 240 ?/t geboten. Laut ersten Meldungen wird für den Weizen ca. 10 Prozent über dem Vorjahresniveau bezahlt werden. Die Erstnotierungen für Premiumweizen liegen bei durchschnittlich 137,5 ?/t, jene von Qualitätsweizen bei 129 ?/t.
Gegenüber den Produzenten wäre es fair, wenn die Landwirtschaftliche Produktenbörse erste Notierungen zu Beginn der Ernte fixieren würden. Derzeit hinken diese Informationen aber hinten nach. Die Getreideernte 2006 läuft gegenwärtig auf Hochtouren und hat mancherorts ihren Höhepunkt bereits überschritten. Während laufend Preisverhandlungen zwischen Produzenten, Händlern und Großhändlern stattfinden, erfolgt erst jetzt die Notierung der Produkte. Der Markt wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Da dazu die nötigen Zahlen vorliegen, sollte ehest möglich eine Preisfindung über die Börse erfolgen. Die Börsenotierung dient vielen Marktteilnehmern als Barometer für die aktuelle Marktsituation. Sinn macht diese Information aber nur, wenn die landwirtschaftlichen Akteure rechtzeitig darauf zugreifen können. "Um das Marktgeschehen umfassend und aktuell darzustellen, muss die Landwirtschaftliche Produktenbörse eine raschere Notierung der laufenden Preise vornehmen", fordert Montecuccoli.


Scheitern der WTO–Verhandlungen als Chance nutzen

Nach dem Scheitern der WTO Doha–Runde haben alle Beteiligten die Chance nachzudenken. Seit Beginn der Verhandlungen haben sich die äkonomischen Voraussetzungen und das äkologische Bewusstsein geändert. Das macht neue Ansätze notwendig. Die verschiedenen Akteure sollten die Nachdenkphase gut nutzen, um Lösungen zu finden.


Transparenzrichtlinie darf kein verzerrtes Bild darstellen

Das europäische Landwirtschaftsbudget ist der einzige gemeinsame Politikbereich der Mitgliedstaaten. Österreich bezahlt viel in den gemeinsamen Agrartopf und sollte daher alle möglichen Gelder aus Brüssel abholen. Betrachtet man das Gesamtbudget der einzelnen Mitgliedstaaten, so entspricht der dafür verwendete Agraranteil lediglich 1,6 Prozent. Im Vergleich dazu hat das EU–Haushaltsbudget für das Jahr 2006 eine Größenordnung von ungefähr 120 Milliarden Euro; davon werden für die Landwirtschaft ? Markt bezogene Direktausgaben und Ländliche Entwicklung – 53 Milliarden Euro eingesetzt.
Die EU–Kommission plant nun mit ihrer Transparenzinitiative, die Empfänger von Agrargeldern sowie die Höhe der Förderungen in allen Mitgliedstaaten offen zu legen. "Wir sind für eine echte Transparenz", betont Montecuccoli. "Die Veröffentlichung dieser Daten und Zahlen darf aber nicht zur Verzerrung von Tatsachen führen. Genau diese Gefahr droht jedoch, falls das Vorhaben in seiner jetzigen Form umgesetzt wird. Die bloße Nennung eines Namens und einer Fördersumme daneben, würde in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild erzeugen. Denn die Agrarförderungen sind Bezahlung für umfangreiche Leistungen der Bauern." Die Landwirte erzeugen gesunde Lebensmittel und garantieren die ästerreichische Eigenversorgung sowie Unabhängigkeit von Importen. Darüber hinaus sorgen die Bauern mit ihrer sorgfältigen Bewirtschaftung und Pflege für eine intakte Umwelt. Zudem sind gerade größere Landwirtschaftsbetriebe wichtige Arbeitgeber in ländlichen Regionen. übersehen wird in dieser Diskussion auch, dass kein Bauer ohne Förderungen überleben könnte: Denn durch den Beitritt Österreichs zur EU sind die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse stark gesunken. Die Verkaufserlöse der Produkte decken daher die Kosten nicht. Zu bedenken ist zudem, dass sich die geplante Transparenzrichtlinie nicht mit dem Datenschutz vereinbaren lässt. Auch aus Gründen der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten ist das Vorhaben der Offenlegung abzulehnen.


Rückfragehinweis:
Land&Forst Betriebe Österreich
Kristin Dawes
Tel. 01/533 02 27–17
E–mail: dawes@landforstbetriebe.at

Die Fotos stehen heute ab 12:15 Uhr online honorarfrei zum Abdruck bereit: http://www.fotodienst.at/browse.mc?album_id=749

 
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