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Wien, am 31.08.2004

Gute Ernte, schlechte Preise

Gute Ernte, schlechte Preise
Landwirtschaftliche Betriebe sind zentrale Wirtschaftsfaktoren

Auf den Feldern unserer Bauern wurden heuer Rekorderträge geerntet. Jedoch hat die europäische Kommission den Marktpreis auf dem Binnenmarkt mehrfach nach unten dirigiert. Im Mittelpunkt der Landwirtschaft stand dieses Jahr die nationale Umsetzung der GAP–Reform. Mit der Entscheidung für das Betriebsmodell wurde ein akzeptabler Kompromiss gefunden. Für die Zukunft der schwachen Regionen wird wichtig sein, dass das EU–Programm zur ländlichen Entwicklung weiterhin die Bauern fördert. Ein Abschluss der WTO–Verhandlungen darf die Existenz der europäischen Landwirte nicht gefährden.

Obwohl die Weichweizenfläche bei der diesjährigen Ernte mit rund 266.000 Hektar ein normales Ausmaß erreichte, verzeichneten die Bauern hier Rekorderträge mit bis zu 7,5 Tonnen pro Hektar. Durchschnittlich wurden pro Hektar über 6 Tonnen geerntet ? der Absatz dieser Mengen auf dem Markt wird schwierig sein. Die heimische Getreideernte wird insgesamt 4,95 Millionen Tonnen betragen, davon werden 2004/05 etwa 2,9 Millionen Tonnen auf den Markt gelangen. Die Produktion von Futtergetreide wird auf rund 3 Millionen Tonnen geschätzt, wobei die Marktleistung etwa 1,3 Millionen Tonnen ausmachen dürfte. Beim Mais wird eine Ernte von knapp 1,6 Millionen Tonnen erwartet.

Die Preise für Getreide orientieren sich an Qualität und Interventionsniveau. Vor kurzem hat die Landwirtschaftliche Produktenbörse in Wien Getreidepreis–Notierungen veröffentlicht. Diese liegen für Qualitätsweizen zwischen EUR 118,– und 125,–/t, für Mahlweizen zwischen EUR 101,– und 104,–, für Mahlroggen bei EUR 90,– bis 95,– und für Futtergerste bei EUR 96,– bis 100,–/t. Die Bauern erhalten somit für ihre Arbeit einen äußerst geringen Lohn: "Für ein Kilo Mehl bekommen wir 10 Cent", betont Felix Montecuccoli, Vizepräsident des Hauptverbandes der Land– und Forstwirtschaftsbetriebe. "Zwei Kilo Mehl ergeben Brot für eine Familie für eine ganze Woche." Wie niedrig die landwirtschaftlichen Preise sind, zeigt auch folgender Vergleich: Wer einen Kilometer mit der Bahn reist, muss dafür 25 Cent berappen.

Auswirkungen der GAP–Reform

Mit der EU–Agrarreform wurde das Grundverständnis der landwirtschaftlichen Leistungen in Frage gestellt. Für die Bauern selbst führt die Entkoppelung zu einer Identitätskrise. Denn sie sehen sich in erster Linie als Produzenten von Lebensmitteln. Dennoch hat Bundesminister Josef Pröll in den zähen Verhandlungen für Österreich das Beste herausgeholt. Dieser Kompromiss stellt für die landwirtschaftlichen Betriebe einen gangbaren Weg dar. Die Direktzahlungen an die Bauern werden auf Basis des historischen Referenzraumes von drei Jahren berechnet. Somit ist sichergestellt, dass die Landwirte vorerst jene Zahlungen erhalten, die sie auch bisher hatten.
Ziel der nationalen Umsetzung der GAP–Reform war, dass es zu keiner Umverteilung der Gelder innerhalb der Betriebe und verschiedenen landwirtschaftlichen Sparten kommt. Daher hat sich Österreich für das allgemeine Betriebsmodell entschieden. Dieses Modell sieht eine Koppelung der Mutterkuhprämie und 40 Prozent der Schlachtprämie für Großrinder sowie 100 Prozent der Schlachtprämie für Kälber vor. Entkoppelt wird der gesamte Kulturpflanzenbereich sowie die Mutterschaf– und Ziegenprämie. Die Berechnung der Direktzahlungen erfolgt auf Basis der Referenzperiode ? das bewirkt einen relativ geringen Umverteilungseffekt der Gelder.

Unter großen Druck hätte viele Bauern eine Entscheidung zugunsten der einheitlichen Flächenprämie auf Bundesländerbasis gebracht. Nach Berechnungen des BMLFUW würde in diesem Fall jeder landwirtschaftliche Betrieb eine Einheitsprämie von rund 250,–– ?/ha erhalten. "Damit würden die meisten unserer Mitgliedsbetriebe durchschnittlich 80,––?/ha Ackerfläche verlieren", erklärt Montecuccoli.

Die Landwirte müssen aufgrund der Modulation (2005 3%, 2006 4%, ab 2007 5%) ohnedies drastische Prämienkürzungen hinnehmen. Rechnet man die Rücklage der Nationalen Reserve in Höhe von drei Prozent sowie Kürzungen ab dem Jahr 2007 aus Gründen der Haushaltsstabilität hinzu, wird die Anwendung der einheitlichen Flächenprämie weiter getrübt. Somit erscheint das Betriebsprämienmodell als die insgesamt akzeptablere Variante für die ästerreichische Landwirtschaft.

Bauern stärken ländliche Entwicklung

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind zentrale Wirtschaftsfaktoren für die ländlichen Gebiete. "Das ästerreichische Programm zur ländlichen Entwicklung muss daher zügig ausgebaut werden", fordert Montecuccoli. In der neuen EU mit 25 Mitgliedstaaten müssen sich mehr Länder die vorhandenen Geldmittel teilen. Zwar wurde das Budget im Zuge der Erweiterung aufgestockt ? unbekannt ist derzeit jedoch, wie groß der jeweilige Anteil für die einzelnen Mitgliedsländer ausfallen wird. Ein zentrales Ziel der Agrarreform war es, die ländliche Entwicklung zu stärken. Damit dieses Anliegen in Österreich verwirklicht werden kann, muss dafür zumindest soviel Geld, wie bisher, zur Verfügung gestellt werden. EU–weit sind ab 2006 für diesen Bereich 10,5 Milliarden Euro vorgesehen. Davon stand für Österreich bisher jährlich rund eine Milliarde zur Verfügung ? die Hälfte dieses Betrages wird national kofinanziert.

Die ländliche Entwicklung sollte auch in Zukunft ein agrarisches Programm bleiben. Werden die Gelder von den Bauern und ihren Betrieben abgezogen und in andere Bereiche wie etwa Gemeinden umgeleitet, ist nicht mehr gewährleistet, dass die finanziellen Mittel zugunsten der Landwirtschaft verwendet werden. "Wir erwarten uns auch, dass die Schwerpunkte überarbeitet werden", so Montecuccoli. "Dies gilt insbesondere für Investitionsförderungen." Bisher ging der größte Block in Stallbauten – somit flossen die Investitionen vor allem in verschiedene Sparten der Tierhaltung. Mit dem Programm zur ländlichen Entwicklung sollte man jedoch zukunftsfähige Betriebe und Kooperationen fördern. Größere landwirtschaftliche Betriebe haben Leitcharakter und sind wichtige Arbeitgeber in schwachen Regionen. Zudem tragen sie maßgeblich zur Wertschöpfung im ländlichen Raum bei. Sie dürfen daher von den Investitionsförderungen nicht ausgeschlossen sein.
Gerade im Grünland oder in Berggebieten ist der Fokus auf den Forst für die Landwirte sinnvoll und bietet somit für Österreich eine Zukunftschance. Daher sollte in den Bereich Forst mehr Geld fließen.

Wesentlich wird zudem sein, dass das Umweltprogramm ÖPUL erhalten bleibt. Dabei sollten vor allem jene Maßnahmen im Mittelpunkt stehen, die den größten Umfang haben: Dazu gehören unter anderem das Bio–Programm, der Verzicht auf Pestizide im Ackerbereich, das offen halten von Kulturlandschaft sowie das Begrünen von Ackerflächen. Ein weiter Fokus liegt auf den Grünland–Programmen, die wesentlich zum Erhalt der Kulturlandschaften beitragen. Größere Betriebe bringen umfangreiche äkologische Flächen ein und leisten einen maßgeblichen Beitrag zur umweltfreundlichen Bewirtschaftung. Sie sind jedoch durch die Obergrenze im ÖPUL derzeit stark benachteiligt. "Der sorgsame Umgang mit unseren Ressourcen und der Natur ist uns ein großes Anliegen", sagt Montecuccoli. "Dieser Einsatz sollte aber fair entlohnt werden."

WTO darf Existenz der europäischen Bauern nicht gefährden

Wenn auch die Rahmenvereinbarung der Agrargruppe eine Weiterführung der Doha–Runde ermöglicht, sind noch viele Details auszuhandeln. Besonders in den Bereichen Exportstützung, Marktzutritt und interne Stützungen wird noch hart gefeilscht werden.
Die USA und Europa konnten in den Leitlinien für Modalitäten ihre jeweiligen Kernelemente, die antizyklischen Zahlungen und die einheitliche Betriebsprämie, als blaue bzw. grüne Maßnahme definieren. Hält diese Definition bis zum Schluss, scheint das Ergebnis für Europa innerhalb der GAP–Reform zu liegen.

übrig bleibt das Problem der Marktöffnung. Hier hat Europa einiges nachzuholen: In der Vergangenheit wurde der europäische Markt dicht gehalten, während andere mit aggressiver Exportpolitik neue Märkte eroberten und globale Exportstrukturen aufbauten. Dennoch wird Europa auch in Zukunft den Binnenmarkt möglichst abschotten müssen, um die Ziele des europäischen Modells der Landwirtschaft aufrecht zu halten. Zwar ist eine flächendeckende Bewirtschaftung auch in benachteiligten Gebieten durch möglichst viele Familienbetriebe machbar ? um dies zu gewährleisten, müssen allerdings die Preise für diese landwirtschaftlichen Produkte auch weiterhin über jenen des globalen Marktes liegen. Wenn die einheitliche Betriebsprämie eine grüne Maßnahme ist, kann sie nicht an die Marktsituation angepasst werden.

Das Rahmenabkommen ist eine gute Basis für weitere Verhandlungen. "Beim Marktzutritt und den Exportstützungen wird Europa dennoch auf der Hut sein müssen", warnt Montecuccoli. "Wir europäische Landwirte werden einem Abtausch unserer Existenz gegen die Interessen der Industrie sicher nicht zustimmen."

Rückfragehinweis:
Kristin Dawes, Presse und Kommunikation, Hauptverband der Land– und Forstwirtschaftsbetriebe Österreichs, Tel. 01/533 02 27–17, Mobil 0664/510 93 08, e–mail: dawes@hvlf.at
 
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