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Wien, am 30.01.2003

über 500.000 Festmeter Holz nach Föhnsturm aufgearbeitet

über 500.000 Festmeter Holz nach Föhnsturm aufgearbeitet
Aufarbeitung erfolgt unter schwierigen Bedingungen

Der Windwurf im vergangenen November fällte rund 3,75 Millionen Festmeter Holz. Am stärksten betroffen waren die Bundesländer Steiermark und Salzburg, darunter auch einige Naturwaldreservate. Von den umgeworfenen Wäldern hat die Forstwirt–schaft bereits über 500.000 Festmeter Holz aufgearbeitet. Den Absatzmarkt werden die angefallenen Holzmengen vorerst nicht negativ beeinflussen. Schwierigkeiten bereitet jedoch vor allem der Transport der großen Holzmengen. Die gefährlichen Bedingungen bei der Aufarbeitung erfordern professionelles und erfahrenes Forstpersonal.

"Wir sind derzeit mitten in der Aufarbeitung", sagt Stefan Schenker, Präsident des Hauptver–bandes der Land– und Forstwirtschaftsbetriebe (HVLF). "Inzwischen haben wir mit über einer halben Million Festmeter mehr als 15 Prozent des umgeworfenen Holzes aufgearbeitet." Die große Herausforderung bei der Bewältigung der Schäden nach dem Föhnsturm liegt in der Organisation eines kontinuierlichen Holzflusses vom Wald zu den Verarbeitern. Von Vorteil ist, dass fast 60 Prozent der Schadensgebiete größere Forstbetriebe, die ÖBF und Waldwirt–schaftsgemeinschaften betreffen: sie haben gemeinsam mit den nicht betroffenen Betrieben unmittelbar nach dem Föhnsturm eine koordinierte Aufarbeitung gestartet.

Markt bleibt vorerst stabil
Von den umgeworfenen Bäumen sind rund 20 Prozent Bruch und daher nicht verwertbar. Der Anteil von Sägeholz liegt zwischen 60 und 70 Prozent, der Rest ist Holz für die Papier– und Plattenindustrie sowie Brennmaterial. Liegen die umgeworfenen Bäume in einem unzugängli–chen Gelände, werden sie meist gar nicht geerntet: sie dienen zum einen als Schutz vor Lawi–nen, zum anderen wäre die Aufarbeitung in solchen Gebieten extrem teuer. Das meiste Schadholz liegt in höheren Regionen. Hier macht der Schnee eine Ernte zurzeit nicht möglich, diese Mengen werden daher vorerst nicht auf den Markt kommen. Insgesamt werden etwa drei Millionen Festmeter Holz an die Verarbeiter geliefert werden. Der Anteil Sägeholz aus dem Windwurf entspricht etwa 15 Prozent jener Menge, die von der ästerreichischen Sägein–dustrie jährlich benötigt wird. Die heimischen Produzenten verbrauchen im Jahr 16 Millionen Festmeter Rundholz und erzeugen daraus rund zehn Millionen Kubikmeter Schnittholz. Da–von werden 60 Prozent exportiert ? das vorhandene Holz kann daher von den Abnehmern gut verarbeitet werden. Die Papier– und Plattenindustrie hat angekündigt, nur die Hälfte des ur–sprünglich geplanten Holzes zu importieren. Dadurch kann die Menge an heimischem Wald–holz ? rund 2,9 Millionen Festmeter – an die Papier– und Plattenindustrie gesteigert werden.
Da der Windwurf in die Planungszeit für das Jahr 2003 gefallen ist, kann die Ernte größten–teils auf das vorhandene Schadholz abgestimmt werden. Um den Holzmarkt in den nächsten Monaten nicht zu überfordern, sollten nicht betroffene Betriebe ihre Erntemengen reduzieren. Das gilt vor allem für die Periode Frühling bis Spätsommer, denn dies ist die Hauptzeit der Aufarbeitung des Windwurfes im Gebirge.

"In den nächsten Monaten müssen wir mit unseren Abnehmern intensive Gespräche führen", so Schenker. "Auf das Jahr verteilt werden die vorhandenen Holzmengen keine Probleme für den Markt verursachen. In den nächsten Monaten kann es jedoch zu einem Stau auf dem Transportweg vom Wald zu den Verarbeitern kommen." Unter Preisdruck könnten vor allem jene Forstbetriebe kommen, die erst jetzt Kaufabschlüsse gemacht haben.

Enormer Schaden für die Betriebe
Insgesamt hat der Föhnsturm für die ästerreichische Forstwirtschaft einen Schaden von rund 75 Millionen Euro verursacht. Einige Betriebe wie etwa die Österreichische Bundesforste AG waren davon besonders betroffen. Bei dem größten Mitglied des HVLF wurden vom Wind–wurf 1,5 Millionen Festmeter umgeworfen. "Die Schadensmenge liegt jedoch deutlich unter dem geplanten Jahreseinschlag von rund zwei Millionen Festmeter", so Georg Erlacher, Vor–standsdirektor der ÖBf. "Wir können somit den Schaden durch betriebsinternen Ausgleich und langfristige Kundenverträge wettmachen".

Die Verluste für die Forstwirtschaft in Österreich bereitet nicht allein das gebrochene Holz – denn die Forststraßen werden durch Aufarbeitung, Lagerung und den Abtransport stark bean–sprucht. Somit entstehen zusätzliche Kosten zur Instandhaltung. In den kommenden Jahren müssen die Betriebe waldbauliche Maßnahmen zur Wiederbegründung, Pflege und zum Schutz der Windwurfflächen finanzieren: pro Hektar müssen rund 2.500 bis 3.000 Pflanzen gesetzt und danach gepflegt werden. Auf den großen Freiflächen fehlen die Samenbäume, was zusätzliche Kosten verursacht. Der enorme Pflanzenbedarf kann auch zu Engpässen bei der Versorgung mit geeignetem Pflanzenmaterial führen. Damit die Aufarbeitung finanziert werden kann, ist eine rasche finanzielle Unterstützung der betroffenen Betriebe notwendig. Erste Hilfsmaßnahmen aus den Katastrophenmitteln wurden von den Bundesländern Steier–mark und Salzburg zugesagt. Zur Finanzierung der waldbaulichen Folgekosten ist eine Auf–stockung der Mittel für forstliche Förderungen dringend notwendig.

Kapazitätsprobleme behindern die Aufarbeitung
Die Aufarbeitung wird vielfach durch das Fehlen von Maschinen– und Personalkapazitäten behindert. Trotz der hohen Arbeitslosigkeit ist es kaum möglich entsprechendes Personal für die Aufarbeitung zu bekommen. Zudem ist es enorm schwierig, Saisonarbeiter aus Nicht–EU–Ländern zu beschäftigen: im Sinne der Arbeitssicherheit ist zusätzlich eine entsprechende Ausbildung der Arbeitskräfte notwendig, da diese Tätigkeit äußerst schwierig und gefährlich ist. Auch die Kapazitäten für den Abtransport des Holzes sind nicht unbegrenzt vorhanden. Daher ist zu begrüßen, dass das Infrastrukturministerium eine Sondergenehmigung zur Anhe–bung der Tonnagengrenzen erlassen hat. Die Bundesländer sind aufgefordert, dies unbürokra–tisch umzusetzen.

Forstwirtschaft arbeitet naturnah
Der Föhnsturm fegte mehrere Naturwaldreservate um. Es handelt sich dabei um Waldgebiete, die für die natürliche Entwicklung des Ökosystems Wald bestimmt sind. Sie gelten als beson–ders widerstandsfähig gegen Naturgewalten wie etwa Stürme. Diese Gebiete werden nicht forstwirtschaftlich genutzt, hier wird auch kein totes Holz aufgearbeitet und es werden keine Waldbäume künstlich gepflanzt. "In diesen Naturwäldern sind die Schäden jedoch gleich groß wie in den bewirtschafteten Gebieten", sagt Erlacher. Wie naturnah die ästerreichische Forst–wirtschaft arbeitet, verdeutlicht das Projekt "Hemerobie ästerreichischer Waldäkosysteme", das die Naturnähe der heimischen Wälder untersucht hat. Die Ergebnisse zeigen, dass zwei Drittel der Waldfläche als natürlich bis mäßig verändert bezeichnet werden kann, nur ein Drit–tel wurde als stark verändert bzw. künstlich klassifiziert. Gerade im Windwurfgebiet ist die Naturnähe besonders stark ausgeprägt, der Anteil stark veränderter oder künstlicher Wälder ist verschwindend klein. Die gut gemeinten Zurufe vom grünen Tisch, in den betroffenen Ge–bieten andere Bäume anzupflanzen sind sinnlos: denn die geforderten Arten, wie etwa die Buche, wachsen in diesen Höhenlagen nicht.


Rückfragehinweis:
Kristin Dawes, Presse und Kommunikation, Hauptverband der Land– und Forstwirtschaftsbetriebe,
Tel. 01/533 02 27–17, Mobil: 0664/510 93 08, e–mail: dawes@hvlf.at


 
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